Sanierung und Brandschutzmaßnahmen "Alte Bibliothek" Marburg

Das Bibliotheksgebäude in der Universitätsstraße 25 in Marburg wurde im Jahr 1900 in neugotischem Stil errichtet. Das Gebäude gliedert sich in drei Gebäudeteile, in einen Magazintrakt mit acht Magazinebenen, einen dreigeschossigen Mittelbau und einen ebenfalls dreigeschossigen Baukörper mit den Bibliotheksräumen (Lese- und Katalogsäle).

Die Fassade des Gebäudes ist in gelbem Backstein (Ziegelmauerwerk) ausgeführt, die Fenstergewänder wurden in rotem Sandstein errichtet. Das Gebäude wurde im Mittelbau und im 'Bibliotheksbereich' als Massivbau errichtet, die Decken sind als Stahlträgerdecken / Steineisendecken in historischer Konstruktion als 'Kleinesche Decke' ausgeführt.

Der Magazintrakt ist ebenfalls mit einer Mauerwerksfassade ausgeführt,die Magazinebenen sind komplett über alle Geschosse als selbsttragende Stahlkonstruktion in den Mauerwerksbau eingestellt, die Regalkonstruktionen sind konstruktiv mit der Stahlkonstruktion verbunden und als ' Lipmann-Regale' ausgeführt. Die Decken der Magazinebenen sind als Stahlkappendecken errichtet, der Dachstuhl ist ebenfalls als Stahlkonstruktion ausgeführt.

In den Jahren 1964 / 1965 wurde das Gebäude um- und ausgebaut.

Im Zuge dieser Maßnahmen wurden u.a. im Erdgeschoss im rechten Gebäudeteil die derzeit vom Dekanat genutzten Räume und, im bis dahin nicht genutzten Dachgeschoss des Mittelbaus, Büroflächen und neue sanitäre Einrichtungen errichtet, ebenso wurden u.a. im Erd- und Obergeschoss die Sanitärräume erneuert. In einem späteren Umbau wurde im mittleren Gebäudeteil ein zweigeschossiger Personenaufzug zur barrierefreien Erschließung der Bibliotheksräume im 2.Obergeschoss eingebaut. Das gesamte Gebäude ist im Sinne des hessischen Denkmalschutzgesetzes (HDSchG) als "Einzelkulturdenkmal" geschützt, alle geplanten Maßnahmen im Rahmen der Sanierung der Lese-, Katalogsäle und WC Bereiche, sowie der Brandschutzmaßnahmen werden mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt.

Brandschutzmaßnahmen

Das Gebäude wird im Rahmen der geplanten Maßnahmen sowohl im vorbeugenden als auch im baulichen Brandschutz ertüchtigt. Die im Gebäude vorhandene Baukörper (Magazintrakt, Mittelbau, Bibliotheksbau) werden in drei Brandabschnitte gegliedert. Die im Bestand vorhandenen Türen in der Brandwand zwischen Mittelbau und Magazintrakt werden zum Teil in der erforderlichen Feuerwiderstandsdauer hergestellt und in den oberen Geschossen ertüchtigt. Die Trennwand zwischen rechtem Gebäudeteil (Bibliotheksbau) und dem Mittelbau wird in der Feuerwiderstandsdauer F90-A in allen Geschossen hergestellt, die im Verlauf dieser Trennwand vorhandenen Türen in T30 / T30-RS-Qualität erneuert / ertüchtigt (Denkmalschutz). Der Treppenraum zwischen Magazintrakt und Mittelbau wird als "notwendiger Treppenraum" mit Ausbildung der Treppenraumwände und Türöffnungen in der erforderlichen Feuerwiderstandsdauer (F90-A+M / T30-RS) hergestellt / ertüchtigt. Weiterhin wird der Treppenraum (Spindeltreppe) an der Ostfassade als Rettungsweg aus den Bibliotheksräumen ertüchtigt, in diesem Zuge wird im Sitzungssaal Dekanat im Erdgeschoss ein neuer Ausgang zum notwendigen Treppenraum / Zu-, Ausgang an der Ostfassade hergestellt. Zur Brandfrüherkennung ist der Einbau einer flächendeckenden Brandmeldeanlage mit akustischer und optischer Alarmierung im gesamten Gebäude vorgesehen. Weiterhin werden zur Brandbekämpfung im Magazingebäude eine Trockensprinklerung und manueller Einspeisestation außen am Gebäude an der Westfassade vorgesehen.

Sanierung Lese- / Katalogsäle

In den Lese- und Katalogsälen werden die Decken- und Wandflächen neu beschichtet und die Bodenbeläge erneuert. Im Vorfeld der geplanten Sanierung des Bibliotheksbereich und des Vorflurs im 2.Obergeschoss sowie der Eingangshalle im Erdgeschoss und der zugehörigen Haupttreppe im Mittelbau des Gebäudes wurden Farbuntersuchungen der Anstriche an Decken, Gewölben, Rippen, Unterzügen, Wänden, Kapitellen, Säulen / Stützen und Türeinfassungen durchgeführt.

Die neue Beschichtung der Decken- / Wandflächen sowie der Kapitelle u.a. erfolgt mit einer neuen denkmalgerechten Beschichtung. Der im Bereich der Lese- / Katalogsäle, des Vorflurs im 2.Obergeschoss, der Haupttreppe und der Eingangshalle im Erdgeschoss vorhandene Vinylbelag soll rückgebaut werden. In diesem Bereich soll ein Linoleumbelag verlegt werden. In den Lese- und Katalogsälen der Bibliothek sind aufgrund der akustischen Anforderungen Akustik-Deckensegel entsprechend den akustischen Berechnungen des IB Labusga geplant. Die neue Medienversorgung der geplanten Arbeitsplätze mit Stark- und Schwachstrom im Bereich des großen Lese- / Katalogsaals ist mit estrichbündigen Kabelkanälen geplant.

Im Rahmen der Maßnahmen werden die WC-Bereiche im Erd-, 2.Ober- und 4.Obergeschoss saniert. Die vorhandenen Installationen und Objekte werden komplett rückgebaut und mit aktuellem Stand der Technik erneuert werden. In diesem Zuge werden die Räume in den einzelnen Geschossen neu aufgeteilt, das neue barrierefreie WC wird im 2.Obergeschoss entsprechend den aktuellen Normen (DIN 18040) vorgesehen. Im Erd- und 2. Obergeschoss werden die historischen Bodenfliesen ergänzt / wiederhergestellt, die Wandflächen erhalten in Teilbereichen denkmalgerechte Wandfliesen, die restlichen Wand- und Deckenflächen erhalten eine neue Beschichtung. Im 4. Obergeschoss (Dachgeschoss) wird der vorhandene Terrazzoboden in Teilbereichen ergänzt, die neuen Wandfliesen im Bereich der Sanitärobjekte werden in Objektqualität hergestellt.

Denkmalschutz

Im Rahmen der geplanten Sanierung sollen die im Bereich der Wandflächen nicht denkmalgerechten Anstriche, die z.T. als Dispersionsanstriche ausgeführt wurden, komplett entfernt und denkmalgerecht neu beschichtet werden. Im Erd- und 2.Obergeschoss sind aufgrund der brandschutztechnischen Ertüchtigung des Gebäudes Türen im Bestand vorhanden, die nicht der nach Brandschutzkonzept geforderten Feuerwiderstandsdauer entsprechen, und die im Rahmen der Maßnahme rückgebaut werden und in ursprünglicher Formgebung und Materialität als entsprechende Brandschutztüren erneuert werden. Für die Zugangstüren zum großen Lesesaal und zum Empfangsraum der Bibliothek wird geprüft, ob eine Ertüchtigung der vorhandenen Türen in der geforderten Brandschutzqualität / Feuerwiderstandsdauer technisch möglich ist, oder diese Türen denkmalgerecht nachgebaut werden müssen. Für die Festlegung der geplanten Materialitäten und Farbgebung mit der Bauherrschaft und dem Nutzer / Fachbereich wurden Mustertafeln erstellt, diese werden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt. Im Bereich des Vorflurs zu den Bibliotheksräumen im 2.Obergeschoss sind zum Haupttreppenraum ein neues, festverglastes Fensterelement sowie ein Eingangstürelement in Holz-Glas- oder Stahl-Glas-Konstruktion geplant.